Jahres-
bericht
2020

Ein aussergewöhnliches Jahr

Wie jedes Jahr sind wir mit Elan und Vorfreude auf viele Aktivitäten und Begegnungen mit Ihnen in das neue Jahr gestartet. Bei unverändertem Mitgliederbeitrag konnten wir Sie mit neuen Angeboten und Leistungen überraschen: so kann neu jedes Mitglied beim Museumsbesuch im Kunsthaus Zürich einen Gast einladen und zudem gibt es 20% Rabatt im Museumsshop, auf private Führungen und auf Saalmieten für private Anlässe. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir ein Jahr mit einem reichhaltigen Programm vor uns und konnten nicht wissen, was für eine ungewöhnlich herausfordernde Zeit mit derartigen Einschränkungen vor uns liegen würde.

Der erste gemeinsame Ausstellungsbesuch im Januar führte uns in die Ausstellung «Olafur Eliasson: Symbiotic seeing». Fast etwas symbolisch für die kommenden Monate: Olafur Eliasson entwickelte die Ausstellung in engem Dialog mit Kuratorin Mirjam Varadinis, beschäftigte sich mit Themen wie Koexistenz und Symbiose und zielte auf einen grundlegenden Perspektivenwechsel. Er lud dazu ein, die Position des Menschen als Teil eines grösseren Systems zu verstehen, und faszinierte uns mit seiner für das Kunsthaus eigens entwickelten Installation.

Gitti Hug

Präsidentin der
Kunstfreunde Zürich

Im März musste das Kunsthaus Zürich, wie alle Museen, wegen Covid-19 geschlossen werden. Die Besuche in den Museen fehlten. Neben dem physischen Besuch eines Museums wollen wir auch die Begegnung von Menschen vor Kunstwerken und die daraus entstehende Kommunikation ermöglichen. Aller Digitalisierung zum Trotz ist «das Museum letztlich eine analoge Veranstaltung» (Zitat aus einem Interview mit Christoph Becker in der NZZ vom 17. Juni 2020).

Nach zwei Monaten erreichte uns dann die wunderbare Nachricht, dass am 15. Mai 2020 die Museen wieder öffnen dürfen. Die Wiedereröffnung ermöglichte es uns, die meisten der angekündigten Projekte und Ausstellungen durchzuführen, wenn auch teilweise mit grösseren zeitlichen Verschiebungen. Wir waren auf spontane Zeitfenster des Kunsthauses angewiesen, mussten etwas improvisieren und konnten die Veranstaltungen an verschiedenen Daten und in kleinen Gruppen anbieten. Für diesen ausserordentlichen Einsatz für unsere Mitglieder danke ich unserer Geschäftsleiterin Alexandra Koller Boskovski sehr. Ab Juni waren öffentliche und private Führungen in der Sammlung und in den Ausstellungen mit begrenzten Gruppengrössen wieder erlaubt. Die ursprünglich auf Juni geplante Mitgliederversammlung konnten wir mit 100 Personen im September durchführen. Zu diesem Anlass haben wir die Ausstellung «Schall und Rauch, die wilden 20er» besucht. Auch hier wieder ein symbolträchtiger Titel: Die Kuratorin Cathérine Hug entwickelte die Ausstellung mit sehr aktuellen Themen: Die 1920er-Jahre waren ein Jahrzehnt der Aufbrüche und Rückfälle. Ein verheerender Weltkrieg und eine daran anschliessende schwere Pandemie, die erstaunliche Parallelen zur aktuellen Corona-Krise aufweist, haben den Lebensdurst der Menschen und die Lust auf Kultur wachgerüttelt!

Mit grossem Interesse und Respekt verfolgten wir den Fortschritt des Chipperfield-Baus. Mit exklusiven Baustellenführungen im Sommer konnten Sie den weit fortgeschrittenen Bau bestaunen. Im nächsten Jahr ist es so weit und die langersehnte Eröffnung steht bevor. Ich freue mich sehr, denn das Kunsthaus Zürich wird mit der Erweiterung auch sichtbar eine Institution von internationalem Gewicht.

Im Januar haben wir die neue Mitgliederkategorie «Patrons» lanciert und durften am Ende des Jahres bereits 24 Mitgliedschaften zählen. Wir danken für dieses zusätzliche Engagement und Vertrauen, was insbesondere in diesem Jahr sehr hilfreich war. Für die Mitglieder der «Patrons» haben wir ein separates Programm zusammengestellt.

Zwei von den drei geplanten Previews mit geführten Besichtigungen konnten wir durchführen. Die Ausstellungsbesichtigung «Im Herzen wild, Schweizer Romantik», kuratiert von Jonas Beyer, mussten wir absagen, da sich die Covid-19-Situation ab Herbst wieder verschlechterte. Wir haben diese Führung später im November, mit einzelnen kleinen Gruppen an verschiedenen Tagen, ersetzt. Diese Führungen waren gut besucht.

An dieser Stelle möchte ich allen Kuratoren/Innen des Kunsthauses Zürich danken. Sie haben es auch unter massiv erschwerten Bedingungen möglich gemacht, dass unsere Mitglieder ihre Ausstellungen in einer angepassten Form besuchen konnten; dies wurde ausserordentlich geschätzt. Maria Larsson und Daisy Bruppacher haben ein vielseitiges Reiseprogramm für 2020 zusammengestellt und Anfang Jahr waren die Reisen schon fast ausgebucht. Leider konnten infolge der aktuellen Situation keine der Reisen im Jahr 2020 stattfinden.

Im Sommer haben wir wieder etwas Hoffnung geschöpft, insbesondere, dass der Besuch im Louvre («Louvre by night»), geplant für Ende Oktober, stattfinden könnte. Leider traf dies nicht zu. Die Reisen werden alle auf das Folgejahr 2021 verschoben. Auch die geplanten Besichtigungen der Art Collections «Vontobel Kunstsammlung» und «Rothschild Sammlung» sowie der «Kunstsammlung der Zürcher Kantonalbank» werden nachgeholt.

Im Spätsommer hatten wir mit der Planung und Vorbereitung eines festlichen Fundraising-Dinners in der Erweiterung des Kunsthauses Zürich für unserer Mitglieder begonnen. Es wäre einer der ersten Anlässe im Chipperfield-Bau überhaupt gewesen. Mit grosser Zuversicht planten wir einen Abend voller Überraschungen: Zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch nicht wissen, dass der Anlass wegen der Pandemie nicht durchgeführt werden konnte. Aber die Veranstaltung ist nur verschoben, die Vorfreude bleibt und wird grösser.

Im Oktober haben Sie die Jahresprogrammvorschau 2021 erhalten und wir hoffen natürlich, dass die Führungen und die anderen Anlässe spätestens ab dem Frühsommer wieder ungehindert oder zumindest unter milderen Schutzauflagen stattfinden können.

Von den Kunstfreunden im Jahr 2000 angekauftes Werk aus der «Leuchtturm-Serie» von Olafur Eliasson.

Ich fasse hier das Veranstaltungsprogramm 2020 kurz zusammen, denn trotz der speziellen Gegebenheiten konnten wir Ihnen die meisten Anlässe anbieten:

2 geführte Previews von Ausstellungen im Kunsthaus Zürich
«Olafur Eliasson: Symbiotic Seeing» mit Kuratorin Mirjam Varadinis, «Schall und Rauch, die wilden 20er» mit Kuratorin Cathérine Hug

2 separate Führungen «Schall und Rauch, die wilden 20er»

3 Führungen «Im Herzen wild, Schweizer Romantik»

3 Führungen durch den Chipperfield-Bau

Generalversammlung 2020

3 Atelierbesuche von Zürichs Künstlerinnen und Künstler
Florian Germann, Sabine Schlatter, Sybille

2 Besichtigungen ausserhalb der regulären Besuchszeiten
«Der erschöpfte Mann» im Landesmuseum in Zürich mit Direktor Andreas Spielmann und den Kuratoren Stefan Zweifel und Juri Steiner. «Sehnsucht Natur – sprechende Landschaften in der Kunst Chinas» im Museum Rietberg Zürich mit Direktorin Annette Bhagwati

3 Besuche in der «Nicola Erni Collection»
in Steinhausen mit Nicola Erni und Stefan Puttaert

3 Jungmitgliederanlässe Besichtigung der Ausstellung «Kader Attia»
mit Kuratorin Mirjam Varadinis mit Drinks und Imbiss, Jungkunst Winterthur in der Sulzerhalle, Besichtigung der Ausstellung «Raphael Hefti» in der Kunsthalle Basel

Folgende Anlässe mussten leider abgesagt werden:
– Art Day im Kunsthaus Zürich «Die Poesie der Linie. Italienische Meisterzeichnungen» mit Kurator Jonas Beyer mit MiniLunch «Antipasti»
– Preview der Ausstellung «Im Herzen wild, Schweizer Romantik» im Kunsthaus Zürich mit Kurator Jonas Beyer
– Sommeranfangsparty für die Jungmitglieder
– Besuche der Corporate Collections Vontobel Sammlung, Rothschild Sammlung, Sammlung Zürcher Kantonalbank

Die geplanten Reisen fanden nicht statt und werden auf das Folgejahr verschoben Jungmitgliederreise nach Milano, Kunstreise nach Helsinki und Riga Biennale, Kunstreise nach Sevilla und Andalusien, «Allein im Museum», Besuch im Louvre nach regulären Öffnungszeiten.

Im Jahr 2020 haben wir, wie bereits im Jahr zuvor, keinen Ankauf für die Sammlung getätigt. Wir wollen weiterhin Mittel äufnen, um anlässlich der Eröffnung des Erweiterungsbaus im Jahr 2021 einen grösseren Kunsterwerb finanzieren zu können.

Die Gruppe Junge Kunst hat im Berichtsjahr mit dem Erwerb von drei Werken ihre Sammlung vergrössert. Der nachfolgende Bericht der «Gruppe Junge Kunst» von Mirjam Varadinis geht im Einzelnen auf diese Neuerwerbungen ein. Im Berichtsjahr haben wir wieder einen Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen, was wir in diesem besonderen Jahr ausserordentlich schätzen.

Insbesondere die Jungmitglieder erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit, was uns veranlasst hat, mit dem Social-Media-Kanal Instagram auch im digitalen Raum sichtbar zu werden.

Am Ende des Jahres 2020 zählen wir 852 Mitglieder, darunter 128 Jungmitglieder und 61 Paarmitgliedschaften sowie 185 Mitglieder auf Lebenszeit und 48 Patrons Mitglieder.Die Vereinigung der Kunstfreunde hat seit ihrem Bestehen in den 20erJahren des letzten Jahrhunderts schon einmal eine Krise überstanden und wir werden auch diese Pandemie meistern. Die Lebendigkeit der Auseinandersetzung mit Kunst muss auch in Zeiten der Krise gewährleistet sein. Gerade bei der Bewältigung von existenziellen Krisen hat die Kunst eine grosse Tradition. Denn Kunst kann dem Unfassbaren einen Rahmen geben.

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Begleitung und Treue sowie Ihre ausserordentlich wertvolle Unterstützung in diesem Jahr und für Ihr Verständnis, dass wir unsere Anlässe nicht immer wie geplant durchführen konnten. Wir haben von Ihnen zahlreiche aufmunternde und zuversichtliche Nachrichten erhalten, was für uns wichtig und von grosser Bedeutung ist. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und die Verbundenheit über die Kunst und Kultur in unseren Herzen behalten, festigen und weitertragen. Hoffen wir auf viele schöne Erlebnisse im Jahr 2021.

Ihre Präsidentin
Gitti Hug